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Der urewige Weg
Ihnat Abdsiralowitsch

Untersuchungen über eine weißruthenische Weltanschauung (Fortsetzung)

III

Kreativität als Lebensgrundlage. — Kreativität als kosmische Kraft. — Die gegenwärtige Politik kann keine soziale Kreativität gewährleisten. — Das Streben nach Unabhängigkeit. — „Alles Bestehende ist vernünftig„ — „Alles Bestehende ist unvernünftig„ — „Alles Bestehende ist kreativ„

Bis in unsere Zeit bestand das Erziehungsziel darin, das Leben zu lehren: Das bedeutet, dem Menschen fertige Schablonen zu liefern, wie er sich in dem einen oder anderen Fall zu verhalten habe. Die Erziehung war bestrebt, im Menschen Achtung zu erzeugen für die anerkannten Wahrheiten, damit sein Gewissen sich von ihnen leiten lasse. Es bestand und besteht die Überzeugung, dass es einen Stein der Weisen gebe, der auf Weg und Steg Hilfe leistet.

Und diese Illusionen haben zu Folgendem geführt: zu billiger Selbstzufriedenheit, geistigem Philistertum, zu stehendem Sumpfgewässer und fehlender Kreativität. Freilich ist es schwieriger, jederzeit etwas zu schaffen denn Fertiges zu nutzen, es ist leichter, sich mit einem festgelegten Muster zufriedenzugeben, als nach etwas Geeigneterem zu suchen, doch Schönheit und Glück des Lebens hängen gerade davon ab, ob die Formen, die das Leben besetzt hat, zu ihm passen und ihm entsprechen. Hier darf es nichts Fertiges geben, nichts Einstudiertes, Festgelegtes. Hier passen die alten Schablonen nicht, denn sie erweisen sich lediglich als aufgezwungen, als unnötig und belastend.

Wahre Lebensgrundlage kann nur die Kreativität sein. Kreativität auf Schritt und Tritt: in der täglichen Arbeit, in den Familienbeziehungen, in der sozialen Bewegung. Erst dann wird das Leben nicht von der Form eingeengt, und der Mensch kann seinem natürlichen Streben Genüge tun: schöpferisch zu sein. Jetzt ist das Leben voller Ungemach, denn wir verstehen es nicht, schöpferisch zu sein. Wir machen aus unserem Leben ein Gefängnis, unlieb uns selbst wie jedem anderen, und in unserer trüben Alltäglichkeit herrscht ein unbeweglicher, unschöpferischer Geist. Unschöpferische Sklaven, verneigen wir uns leicht vor jedem Formidol. Nur ein geringer Teil der Menschen möchte wahrhaft kreativ sein, denn im Umkreis des täglichen sozialen und persönlichen Wirkens sind ihnen schöpferische Wege versperrt, und ihre ganze kreative Energie richtet sich auf die freien Talsohlen von Kunst und Wissenschaft.

Wahrhaftig, was ist das — die Kunst? Sie ist zuallererst die Schaffung einer reinen Form, ein unendlicher, unerschöpflicher kreativer Prozess. Je höher die Kunst, desto deutlicher zeigt sich in ihr die selbständige Suche nach einer Form und nach deren Erschaffung. Der Inhalt löst sich immer mehr vom Leben und verselbständigt sich. Literatur geht über in Musik, in Malerei und Bildhauerei; und in der Musik beginnt der Ton ein selbständiges Leben zu führen, die Harmonie der Töne interessiert uns in der Form, die sie in einem musikalischen Werk annehmen. In der Bildhauerkunst erlangt der Körper eine besondere Bedeutung, die Masse, die unter der Hand des Künstlers eine eigene Harmonie zu entwickeln beginnt, wie es sie im wirklichen Leben nicht gibt.

Tatsächlich gibt es eine solche Harmonie zwischen Inhalt und Form im Leben nicht, und die Kunst liefert uns nur ein Urbild jenes schöpferischen Lebens, das die Menschen selbst schaffen müssen.

Was sehen wir weiterhin in der Kunst? Ob sie sich irgendwann einmal zufrieden zeigt, ob der Künstler irgendwann einmal den Kopf vor einem fertiggestellten Werk beugt, ob er sich vor der geschaffenen Form verneigt? — Nein! ...

Das Werk ist vollendet, die Seele hat sich offenbart ... und unermüdlich, unaufhaltsam geht es weiter und weiter. Für den Künstler gibt es nicht so etwas wie Selbstzufriedenheit. Kaum hat die Seele sich in einem Bild ausgedrückt, wächst sie bereits darüber hinaus, sucht sie in der Tiefe ihres sonnenhaften Wesens noch Tieferes, das ihrer inneren Wahrheit noch mehr entspricht. Daher besitzt die Kunst keinen eigenen Kanon, hat sie keine festgelegten Wege und Entwürfe. Wenn die Kunst einen derartigen Weg einschlägt, geht sie unter: So war es mit allen Beispielen des künstlerischen Akademismus. Letzterer, da er vorbestimmte Wege in der Kunst und verbindliche Vorbilder anerkennt, erstickt den freien schöpferischen Geist und geht schließlich, da er nichts Neues schafft, im eigenen Saft zugrunde.

Und so löst die höchste, die menschliche Gattung, die gewissenhafteste, schöpferische Gattung, die Frage der Fluktuation der lebendigen menschlichen Seele und der Anpassung der Form an sie durch unermüdlichen Schaffensdrang, ohne Selbstzufriedenheit, durch ewiges Suchen, ewiges Weiterstreben bis in die Tiefe des Lebens.

Auch wir müssen in unserem täglichen Leben derart schöpferisch werden. Haben wir eine Lebensform verwirklicht, liegt tief in unserer Seele bereits etwas Neues verborgen, etwas noch Undeutliches und Unbestimmtes, aber sie ist bereits damit unzufrieden, dass dies und jenes schlecht ist. Unterdrückt diese Unzufriedenheit nicht, denn in der Tat ist nicht „alles, was existiert, vernünftig„, vertraut der Stimme eures Gewissens, dem Wunsch, das Leben zu verändern und zu verbessern. Es ist vernünftiger, es Schritt für Schritt zu verbessern, Tag für Tag, und auf die Stimme des Gewissens zu hören, als in den bitteren Zeiten der Revolutionen nicht imstande zu sein, die Stimme der Rache und Kränkung zu bändigen.

Möge es für den Menschen nichts Erstarrtes, Heiliges geben: weder Doktrinen, die das ganze Leben im Sarg einer bestimmten Form festhalten, noch eine für jeden Tag und jede Stunde, für jeden Atemzug festgelegte Moral. Möge es keine strengen Direktiven geben, deren Begründung dem Gefühl unverständlich und fremd ist. Möge es keine „Menschen im Futteral„ geben, goldbetresst, mit wichtigen Mienen, aber leer im Innern, wie jene „frisch getünchten Gräber„. Denn das alles bremst das Leben und bringt es um seine Kreativität. Möge im Herzen eines jeden erklingen, was so alt ist wie die Welt und so wahr wie diese: „Alles bewegt sich, alles fließt, man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.„

* * *

Die menschliche Seele, die auf die Welt kommt, um sich an deren Schönheit zu erfreuen, die nur einmal auf die Welt kommt, niemandem gleich und einzigartig auf ihrem Weg, und die auf immer aus dem materiellen Leben scheidet, diese menschliche Seele muss auf ihr Recht, zu leben und zu schaffen, hören, wie das Gewissen es ihr befiehlt. Niemand anders erschafft die Seele, ersetzt nicht einen Tag, nicht eine Minute ihres selbständigen, selbstwerten Lebens. Die menschliche Seele, die auf die Welt gekommen ist, um sich am Spiel der Lebensstrahlen zu erfreuen und sich an ihrer Wärme und Zärtlichkeit zu laben, muss die ganze Kraft ihrer Kreativität entfalten, um mit dem schöpferischen Tempo des kosmischen Atmens zu verschmelzen, mit der kosmischen Harmonie, deren Vorhandensein die Astralseelen der Pythagoreer verspürten, um sich dann, lebensmatt, erneut dem Schoß der großen Mutter-Materie zuzuneigen, der Mutter-Unbestimmtheit, der Mutter-Anfanglosigkeit, die voller Kraft und Dauer ist, voller Trauer und ungeborenen Lebens.

Die Mutter-Materie ist der Urgrund alles Bestehenden. In ihr fließen alle Kräfte zusammen: feindselige und liebende, schöpferische und zerstörerische, sie selbst aber ist das Unbestimmte, das Unbegreifliche — sie ist lediglich die Möglichkeit zu schaffen, nicht aber das Schaffen selbst. Sie ist die Grundlage des Lebens ... So wie der antike Gott des Xenophanes — nur ein Dreckklumpen, worin Wasser und Erde, Luft und Feuer vermischt sind — vorhanden nur im Unbestimmten, nur in der Möglichkeit und der Erwartung, geboren, erschaffen zu werden. Sie ist voll der Trauer, voll von undeutlichen Stimmen, wie das Rauschen noch nicht entfalteter Blätter, wie das Lallen ungeborener Kinder oder Tierjunger: als gärten die Säfte des Lebens auf der Suche nach Licht und in Erwartung des Geborenwerdens.

Und da hebt sich der urewige Nebel, Wolken scheinen zu entstehen, ganz dünne Rinnsale scheinen emporzustreben, hoch empor ... eine erste Andeutung von Leben entsteht: Es scheidet das Licht sich von der Unbestimmtheit des Dunkels ... aber noch gibt es nicht das Leben selbst, nicht das Schöpferische. Doch wenn der erste Blitz zuckt und als breites blendendes Band die hohen, wie schwerelosen Wolken mit dem dunklen, schwarzen, unbestimmten Schoß der Mutter-Materie verbindet, erdröhnt ein Donnerrollen und erschüttert mit ausdrucksvollem Grollen das urewige Schweigen, — und da ist, den Mutterschoß verlassend, der ewige Kupala erwacht, damit begrüßt er seine Mutter, das ist die erste Liebkosung seiner Frau, und in der Mattigkeit der aufkommenden Wärme, des Regens und des Lichtes drängen noch im Wabern des vorweltlichen Nebels die ersten Pflanzen empor, denen die Mutter-Materie das Leben gibt und die der Vater Kupala, der lebenspendende Geist, die lebenspendende Form mit schöner Gestalt und Pracht segnet ... Das ist die urewige Harmonie zwischen der unbestimmten Materie, dem Kern alles Lebenden, und dem schöpferischen Geist, der allem Lebenden die Form gibt.

Und wir kommen aus dem Schoß der Mutter-Materie mit dem ewigen schöpferischen Geist des feurigen Kupala in die Welt, um Formen zu schaffen, um aus der mütterlichen Unbestimmtheit etwas zu schaffen „nach unserem Bild und uns ähnlich„, nach dem Bild unserer strahlenden Seele. Möge das, was wir erschaffen, nicht zu unseren Göttern werden, denn wir erschaffen es, und nicht erschafft es uns.

* * *

Wenn eine Einzelperson ihr individuelles Heil in künstlerischer oder wissenschaftlicher Kreativität finden kann, so ist es im sozialen Bereich nicht so einfach darum bestellt. Die soziale Kreativität wird aus zweierlei Gründen gebremst und nahezu unmöglich gemacht: erstens weil einige soziale Formen von den herrschenden Klassen benutzt werden und deren Entwicklung dadurch künstlich aufgehalten wird, und zweitens weil die Voraussetzungen für soziale Kreativität günstigere Umstände erfordern als diejenigen für individuelle Kreativität. Die Möglichkeit, dass ein gestriger Sklave zum unabhängigen Herrn seines Lebens wird, dass gestrige Straßenfeger zu freien Künstlern werden, ist unvorstellbar. Es ist sehr schwer, jeder Einzelperson das Streben nach gemeinsamer Kreativität anzuerziehen, das Verständnis für die Notwendigkeit, vorwärts zu schreiten und sich nicht mit dem Bestehenden zu begnügen.

Deshalb vollzieht sich die soziale Kreativität der Massen bis in unsere Zeit nicht kontinuierlich, sondern sprunghaft. Die Kreativität der Massen muss die Trägheit der interessierten Klassen überwinden; denn stets gelangen die Massen nur durch Umwälzung und Revolution zu sozialer Kreativität. Ein solcher Weg ist anormal, unharmonisch und unökonomisch hinsichtlich des Verlustes an Menschenkraft. Die Massen müssen ständig die Möglichkeit haben, kreativ zu sein, gegenwärtig aber ist so eine Möglichkeit nicht zu erlangen. Die nahe Vergangenheit lehrt uns, dass mit Revolutionen allein lange noch nichts getan ist. Nur ein schöpferisches Individuum, eine Masse schöpferischer Persönlichkeiten vermag soziale Kreativität zu gewährleisten. Die Kreativität der Massen basiert auf der Kreativität von Individuen. Das Beispiel Russlands zeigt uns, dass eine Revolution ohne individuelle Kreativität nur ein großes Durcheinander ist ohne Ende und Lichtblick.

Es ergibt sich eine Art Teufelskreis: Soziale Schöpferkraft braucht die kreative Einzelperson, doch die Erziehung dieser Einzelperson hängt zu einem bedeutenden Teil von der Entwicklung der sozialen Schöpferkraft ab.

Leider ist alles, was jetzt im gesellschaftlichen Leben vor sich geht und was seinen intensivsten Ausdruck in der politischen Arbeit findet, sehr weit davon entfernt, soziale Kreativität zu erreichen, eine schöpferische Einzelperson zu erziehen. Die jetzige Gesellschaft, in Klassen gespalten, will ihr soziales Ideal auf politischem Wege verwirklichen, d. h. indem sie die Macht in die eigenen Hände nimmt oder einen bedeutenden Einfluss auf sie ausübt. Jede Partei, die sich auf irgendeine Klasse stützt, muss die Gedanken durchsetzen, die für diese Klasse nützlich sind. Eine Partei spricht immer von „Realpolitik„, spricht davon, dass es in der Politik keine Gefühle gibt, sie spricht von der Notwendigkeit, die Interessen entsprechend ihrem wahren gesellschaftlichen Gewicht gegeneinander „abzuwägen„. Das bedeutet, dass die Angelegenheit immer damit endet, dass derjenige, dessen „Gewicht„ größer und dessen materielle Macht stärker ist, alles in der Hand hat. Freilich hat jede Partei ein gutes Programm, welches mit Worten über das Wohl des ganzen Volkes beginnt und worin von den höchsten menschlichen Idealen die Rede ist, doch über den Wert der schönen Worte muss auf Grund von Taten geurteilt werden.

Weißruthenien hatte beispielsweise Gelegenheit, verschiedene politische Einflüsse in der Praxis kennenzulernen. Was lässt sich nun über die demokratischen Parteien sagen? Zuallererst entsprechen die schönen Worte nicht den Taten, in denen Klassengier zum Ausdruck kommt wie auch das alles abwürgende, gewalttätige, in seine Ketten schlagende geistige Philistertum, von dem oben die Rede war. Wenn indes die Ergebnisse der „Realpolitik„ zutage treten, so lugt hinter dem Banner mit den schönen Worten „frei unter Freien, gleich unter Gleichen„ die gierige Physiognomie des Schlachtschitzen hervor. Und das ist verständlich, denn bei einer realen und demokratischen Politik, die nicht die Kraniche am Himmel fangen will, geht es immer um eigensüchtige Klasseninteressen, um das Ausnützen der auf Pflicht und Zwang basierenden Zustände im Staat. An soziale Kreativität ist hier nicht zu denken.

Dass soziale Arbeit in politischer Form ungeeignet ist, trifft auf alle Parteien zu, die auf Klassenbasis beruhen. Klasseneigennutz kennzeichnet nicht nur die bürgerlich-demokratischen, sondern auch die sozialistischen Parteien. Einzugestehen, dass der Sozialismus politisch ungeeignet ist, ist umso bitterer, da der Sozialismus bis in die jüngste Zeit der einzige Vorbote, die einzige Hoffnung einer möglichen besseren Zukunft war. Die sozialistischen Märtyrer schienen mit ihrem Blut, mit ihrem freudlosen Opferleben ohne Lichtblick und persönliches Glück das Fundament für eine sonnige Zukunft gelegt zu haben. Der frühe Sozialismus von Robert Owen, Charles Fourier, Claude Henri Saint-Simon, den man den utopischen nannte, hatte zu allen großen Kämpfern für die Menschheit geistige Fäden geknüpft, zu den Urchristen, zu den Humanisten ... Auf ihren Fahnen stand: Das Glück aller ist das Glück des Einzelnen. So hat bereits Philippe Faure in der Nacht vor dem Februaraufstand des Pariser Proletariats (1848), ohne die Doktrin von Marx zu kennen, dass der Weg zum Sozialismus über die Eroberung der politischen Macht durch das sozialistische Proletariat führe, dieses aber seine Verbindung mit jenem Urchristentum stark spüre, welches die Auferstehung der strahlenden menschlichen Seele aus Finsternis und Tod des Lebens verkünde, Folgendes geschrieben: „Gott, vergib uns, dass wir nicht auf deinem Weg des Martyriums wandeln können, sondern uns morgen zum blutigen Kampf erheben.„

Und viele der Aufständischen wurden zu wahrhaften Märtyrern. Auf dem blutigen Weg des sozialistischen Märtyrertums träumten sie nicht von der Ergreifung der Macht, nicht von der Diktatur des Bajonetts und der Mitrailleuse, sondern von der Befreiung des menschlichen Geistes, von einem strahlenden Leben für alle Erniedrigten und Beleidigten.

So ist es bis zu der Zeit gewesen, da die Sozialisten im bürgerlichen Klassenstaat die politische Arbeit aufnahmen. Mit Marx beginnend, erloschen die großen Wünsche und Träume von einem freien Menschen. Anstelle von „Utopien„ wurde die „wissenschaftliche„ Idee von der Eroberung des politischen Apparats ausgebildet, um die Massen mit Gewalt ins sozialistische Paradies zu führen. Die Begeisterung für den Sozialismus schwand, sie wurde durch eine hohle, ihrem Charakter nach bürgerliche, blutrünstige Doktrin ersetzt: Marx holte den Sozialismus vom „utopischen Himmel„ herab auf die Ebene einer gewöhnlichen demokratischen Partei, die von der Eroberung der Macht träumt und die heilige Sache der Befreiung des Menschen durch die Erlangung eines Klassensieges ersetzt. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es dabei um die unterdrückte, ausgebeutete Klasse geht; aber jeder, der die gegenwärtigen Verhältnisse kennt, muss eingestehen, dass aus dem gestrigen Sklaven der allerbeste Sklavenhalter hervorgeht. Folglich geht es nicht darum, wer die Fesseln schmiedet, sondern darum, wer sie tragen wird, es geht darum, die Unfreiheit vollends zu beenden.

Die Marxisten werden entgegnen, dass das Ideal der Machteroberung und der Diktatur keine Unterdrückten kennt, denn alle Unterdrückten, alle Arbeitenden sollen Herren sein. In Wirklichkeit kommt es aber anders. Kaum hat sich die Macht etabliert, so verbleibt sie auf immer in der Hand einer kleinen Gruppe: So ist nun einmal das Wesen der Macht. Der Marxismus hält es für möglich, die Macht nur dem Proletariat zu geben, nun, und die Bauern müssen seine, wenn auch „werktätige„ Diktatur ertragen.

Folglich gibt es schon wieder Sklaven und Herren; das Beispiel des kommunistischen Experiments in Russland zeugt davon, dass die werktätigen Herren sehr brutal und ungerecht sein können gegen ihre arbeitenden Sklaven.

Ernsthaft kann man natürlich nicht von einem Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus sprechen, denn beide haben sie ein und dasselbe Fundament — den Marxismus und die Doktrin von der Eroberung der Macht. Das, was die Moskauer Kommunisten tun, würden unter gegebenen Umständen auch die Warschauer Sozialisten wiederholen. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Sozialisten praktischere Realisten sind, die romantischen Kommunisten hingegen nicht ohne kindliche Selbstsicherheit sind. Doch sowohl die eine als auch die andere Richtung wünscht die Diktatur des Proletariats zu verwirklichen, unter Umgehung der anderen, zweifellos werktätigen Klassen, denn von Letzteren spricht der Marxismus stets mit großer taktischer Reverenz.

Es gibt noch andere gesellschaftliche Strömungen, die sich selbst Sozialisten nennen, die mit dem Marxismus aber entweder wenig gemeinsam haben oder ihm feindlich gesonnen sind. Das sind diejenigen, die das Erbe des „utopischen„ Sozialismus bejahen: Im Westen sind das die christlichen Sozialisten, im Osten die Volkstümler (politisch treten sie als Sozialrevolutionäre auf). Die weißruthenischen revolutionären Sozialisten (ehemalige Sozialrevolutionäre), die ihre Wurzeln im Volkstümlertum haben, sind stark an die Seite des Marxismus gerückt. Was das bedeutet — Beeinflussung oder Ureigenes — wird auch die Zukunft zeigen. Diese Richtungen des Sozialismus sind empfänglicher für die Sache der allgemeinmenschlichen Wiedergeburt, „sie glauben an die Notwendigkeit„ des kreativen menschlichen Einzelwesens, stützen sich weniger auf die Klassenbasis, praktisch aber sind sie, wie jede Sekte, von geistigem Philistertum erfasst, sind in der Verneigung vor Doktrinen und Autoritäten erstarrt und haben weniger erreicht als ihre findigen Kollegen.

Man muss jedoch zugeben, dass dieser nichtmarxistische Sozialismus lebendige Wurzeln im Lebensgrund hat und nur wegen seines Sektierertums stagniert, wegen seiner Enge und des geistigen Philistertums, die ihn hindern, auf die breite Bahn hinaus zu gelangen.

So haben es die aktiven politischen Parteien nicht geschafft, das Problem der freien kreativen Persönlichkeit und der sozialen Kreativität zu lösen, denn das Ideal war für jede von ihnen Ketten, Zwang und Diktatur sowohl für die andern als auch für sich selbst. Die gegenwärtigen Parteien- und Klassengruppen und die Regierungen, die sich auf solche Gruppen stützen, endeten in einem völligen Bankrott. Mit ihren eigenen Kräften, ohne sich auf die gesamte gesellschaftliche werktätige Masse zu stützen, die sie fürchteten und vor der sie auf der Hut waren, vermochten sie nicht, jene Losungen zu verwirklichen, die sie ihren Völkern so großzügig versprochen hatten. Alle demokratischen Freiheiten sind von den demokratischen Regierungen niedergetreten worden, das sozialistische Ideal ist weit entfernt von seiner Verwirklichung durch die Regierungen, die sich sozialistisch nennen. Niemand von den heutigen aufgeklärten Bürgern, wenn er keine bedeutende Unterstützung von der Regierung erhält, wird die offiziellen Überzeugungen aufrichtig verteidigen, niemand wird für die Klänge der demokratischen Marseillaise oder der sozialistischen Internationale in den Tod gehen. So haben diejenigen, die mit lärmendem politischem Spektakel begannen, ihren Pelz von innen nach außen gekehrt. Ihre gegenwärtige, schwindende Kraft stützt sich einstweilen auf die Unwissenheit und Unaufgeklärtheit des Volkes, auf den Hang zu klangvollen unverstandenen Beschwörungsformeln.

* * *

In den letzten Jahren haben die Weißruthenen fast alle Richtungen politischer Ideen in der Praxis kennengelernt, und wer auch immer zu uns kam — niemand hat unser werktätiges Bauernvolk gefragt, ob es das will; keiner hat sich dafür interessiert, wie es denn sein Leben zu gestalten gedenkt. Das weißruthenische Volk hatte nicht einmal die Möglichkeit, laut zu sagen, ob für uns geeignet ist, was die ungebetenen Gäste uns vorschlagen. Die Losungen wollten leben und bewiesen ihre Lebenskraft mit der Androhung von Erschießung, von Prügel mit Gummiknüppeln, mit der Verhöhnung jedweden bewussten Verhaltens zu seiner eigenen Angelegenheit. Nur die Folterkammern des Ostens und des Westens können bezeugen, wie viele Menschenopfer Weißruthenien für den geringsten Versuch gebracht hat, es selbst zu sein. Unter solchen Umständen ist es schwierig, von sozialer Kreativität zu sprechen, wenn man mit fertigen Formeln zu uns gekommen ist und uns gezwungen hat, uns auf so einem Prokrustesbett zu beruhigen. In unserer Situation von sozialer Kreativität sprechen heißt, anstandswidrige Anekdoten im Hause eines Toten erzählen.

Das Leben aber geht weiter. Mit Sicherheit lässt sich behaupten, dass alles, womit die ungebetenen Vormünder zu unserem Volk gekommen sind, dass das alles bereits verrottet und überhaupt nicht lebensfähig ist. Denn die wichtigste Voraussetzung für gesellschaftliches Leben — die Möglichkeit, kreativ zu sein — haben wir nicht.

Das Erlebte und die Verhältnisse, die wir rings um uns her beobachten, sagen uns, dass wir die Möglichkeit zu gesellschaftlicher Kreativität zuallererst nur gewährleisten können, wenn fremder Zwang fehlt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit politischer Unabhängigkeit als erste Voraussetzung für das Volk, es selbst zu sein. In dieser Richtung begann die weißruthenische politische Idee aktiv zu werden. Allerdings muss gesagt werden, dass im Streben nach Unabhängigkeit als Voraussetzung für gesellschaftliche Kreativität es eben an dieser Kreativität gemangelt hat. Man muss zugestehen, dass die Sache der Unabhängigkeit nur während der ersten Zeit ihrer Undefiniertheit ihren wahren und echten Charakter besaß, weshalb man diese Periode (der Regierung von Anton Luzkewitsch) auch als „utopisch„, als romantisch bezeichnen kann. Als sich aber die Sache der Unabhängigkeit praktisch auf den Weg der gegenwärtigen politischen Arbeit begab, geriet sie in die Schusslinie politischer Zwänge, politischer Klasseninteressen, und von der gegenwärtigen Politik kann das Volk kaum erwarten, dass sie ihm für die nationale Kreativität von Nutzen ist.

Wie sieht es denn im Leben aus? Die erste weißruthenische Regierung, die auf dem Boden prinzipieller Unabhängigkeit stand, erreichte keinerlei praktische Ergebnisse. Die ersten Versuche einer „realen„ Politik waren Versuche ihrer Nachfolger. So wollte die berühmte „Allerhöchste Rada„, oder das „Direktorium„, mit der Schlachtschitzenregierung Pilsudskis zu einer Übereinkunft gelangen, wobei das Direktorium zwar auf dem Boden der Unabhängigkeit zu stehen glaubte, faktisch aber nicht weit davon entfernt war, sich mit der kulturell-nationalen Autonomie zufriedenzugeben, wofür die Rede von Premierminister Skulski im polnischen Sejm zeugt. Diese Richtung ist als wenig lebensfähig praktisch verworfen worden.

Im Juli 1920 hat eine Gruppe aus der föderalistisch gesinnten weißruthenischen Intelligenz die „Weißruthenische Sowjetregierung„, Sowjetweißruthenien, anerkannt als Möglichkeit, legal zu arbeiten. Auch dieser Versuch scheiterte, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen.

Der realste Weg scheint jetzt eine Übereinkunft zwischen der Regierung der Sozialrevolutionäre und den Litauern zu sein. Aber auch hier sieht nur ein Blinder nicht, dass die Politik des Ministeriums für weißruthenische Angelegenheiten in Litauen davon zeugt, dass die Litauer ihre eigenen Aufgaben haben, die den Aufgaben der Weißruthenen keineswegs ähnlich sind.

Bei diesen kurzen Überlegungen möchte ich verweilen, um zu zeigen, dass wir unter den heutigen Bedingungen noch sehr weit davon entfernt sind, gesellschaftliche Kreativität allein auf dem Wege politischer Arbeit zu garantieren. Es ist klar, dass wir unter fremder Herrschaft, ebenso wie andere gesunde Völker, zu einem Aufstand oder zur Degenerierung verdammt sind. Aber auch die gegenwärtige politische Tätigkeit in Richtung auf Unabhängigkeit, die sich auf die Eroberung der Macht durch klassengebundene politische Organe gründet, kann einen gewissenhaften Menschen wenig befriedigen. Sie vermag die gesellschaftliche Selbständigkeit ohnehin nicht zu garantieren und kann nur neue Verzweiflung und Unzufriedenheit hervorrufen.

Unsere prophetischen Dichter haben in ihren unsterblichen Werken wohl von einem wirklich freien Leben geträumt:

Einst wird der Enkel frei dort herrschen,

Wo heute noch der Ahne weint.

(Janka Kupala)

und von wirklicher Unabhängigkeit, von geistiger Freiheit:

Sie kommt zu uns, die heilige, ersehnte Freiheit.

(Ales Harun),

denn diese eindringlichen Worte können sich nicht auf eine verstümmelte politische Unabhängigkeit von sympathischer Nachbarn Gnaden beziehen oder gar auf die staatliche Unabhängigkeit unter der obligatorischen Diktatur irgendeiner regierenden Klasse. Denn für uns, die weißruthenischen Bürger, ist es egal, wer seine Quanten in Lackschuhen auf unseren Tisch legt: unser Pan Schlachtschitz oder ein sozialistischer Genosse oder ein zum Herrn aufgestiegener Bauer — nicht darin findet die „heilige, ersehnte Freiheit„ ihren Ausdruck ... Nicht davon träumten die Visionäre.

Und wenn nun ein im Herzen noch junger Mensch, in der Hoffnung, aus seinem Leben etwas Interessantes und Wertvolles zu machen, über das gegenwärtige Leben nachdenkt, dann kommt es ihm anfangs so vor, als gebe es keinen Ausweg, als sei das Lichte und Strahlende nur Trug und erweise sich alles in Wirklichkeit als Staub und Schmutz. In der Tat: Wo ist denn jene Weltanschauung aktiver Menschen, die das arbeitende Volk aufrichtig lieben, für die dessen Schicksal ihr eigenes Schicksal ist, wo ist denn so eine Weltanschauung, die einen ehrlichen Menschen befriedigte?

Sämtliche Lebensansichten, die es gibt, lassen sich grob und annähernd in zwei Lager teilen: die einen sagen, alles Bestehende ist vernünftig, die anderen sagen, es ist unvernünftig. Möge Hegel uns verzeihen, wenn wir seine Formel in dem Sinne verwenden, wie die Gesellschaft sie lebendig werden lässt, und nicht in dem, den ihr der große Philosoph beigelegt hat.

Die Anhänger von „Alles Bestehende ist vernünftig„ bilden keine ausgeprägte Gruppe, hier finden wir Ideen und Richtungen, die verschiedenen menschlichen Gruppen zugehören. Der ausgeprägteste Vertreter dieser Richtung ist das offizielle Christentum, wie es die Geistlichkeit auslegt. „Liebe deinen Nächsten und verhalte dich still, denn du kannst nichts bewegen ... Kein Haar fällt dir vom Kopf nach deinem Willen ... Wenn du eine Ungerechtigkeit siehst, kommt sie von Gott, so muss es sein ... Achte die Obrigkeit, schimpfe nicht auf die Reichen, denn das hilft nichts ...„ Als habe Er das gepredigt, als habe Er solchen faulen Stillstand verkündet, Er, der gesagt hat: „Nicht den Frieden habe ich euch gebracht, sondern das Schwert.„ Als habe Er gesagt, sie sollen die Älteren vorbehaltlos achten, Er, der ihnen mit blitzenden Augen den Donner entgegenschleuderte und die allerschlimmsten Schimpfworte: „Ihr Heuchler, Schlangen und Otterngezücht ... Irre und Blinde ... möge alles gerechte Blut, das ihr vergossen habt, über euch kommen ... euer Haus wird euch verödet überlassen werden ...„ und Er hat ihnen mit ewigem Feuer und Zähneklappern und Verdammnis gedroht wie einem unfruchtbaren Feigenbaum.

„Auf den Lehrstuhl des Mose haben sich die Schriftgelehrten und Pharisäer gesetzt„, das bezieht sich buchstäblich auf die heutigen Prediger des offiziellen Christentums, die vergessen haben, dass „ihr niemand unter euch auf Erden Vater nennen sollt, denn einer ist euer Vater, der im Himmel, auch Lehrer sollt ihr euch nicht nennen lassen, denn einer ist euer Lehrer: Christus„. Die jetzigen Väter und Lehrer haben sich aus den Fingern gesogen, was sie das Volk lehren, und der Sinn der großen, unsterblichen Lehre ist in ihrem Munde verwelkt, vertrocknet und hat den lebendigen Geist eingebüßt. Christus hat gesagt, wir seien Gottes Söhne, uns sagt man, wir seien Kinder des Unreinen. Er hat gesagt, wir sollen den Willen unseres himmlischen Vaters erfüllen, die jetzigen Väter und Lehrer aber sagen, dass wir ihren Willen erfüllen sollen, denn der freie und kreative Geist sei nicht von Gott, sondern vom Unreinen. So wird die Kreativität verneint, das Streben nach dem Lichtvollsten, und das Leben wird in die Form äußerer Frömmigkeit gepresst.

Und so sieht die Lehre von der Vernünftigkeit des Bestehenden von der anderen Seite aus. „Alle Tatsachen des gesellschaftlichen Lebens sind abhängig von der >historischen Notwendigkeit<„. Das Bestehende hat seine historische Voraussetzung — das ist das Wesen der Lebensanschauung sowohl der Reformsozialisten, die von den Kommunisten Sozialverräter genannt werden, als auch eines jeden, der etwas aus seinem Leben machen wollte und vor ihnen passen musste. Wir haben den strahlenden Ursprung des Sozialismus selbst gesehen, die Reformisten aber sagen: „Diese Erscheinungen des Lebens sind historisch, sie sind notwendig, folglich muss sogar der Sozialist sie akzeptieren ...„ Das Vaterland muss verteidigt werden — also wird ein Heer gebraucht. Wird ein Heer gebraucht, müssen Kriegsanleihen her. Ein Krieg erfordert Geheimhaltung, folglich unterliegen diese Anleihen nicht der Kontrolle durch das Volk. So sagen sich die Reformisten allmählich von allen Zielen des Sozialismus los und verlieren den Sinn ihrer Existenz.

Die Folge davon ist, dass zugleich mit dem Vernünftigen auch das Unvernünftige zu existieren beginnt, und wenn das Leben als Ganzes akzeptiert wird, so müssen seine sämtlichen Seiten akzeptiert werden. Und wenn man einem Menschen begegnet, der einverstanden ist mit dem Wesen des Bestehenden (gegen Details kann er opponieren), so wird klar, dass das Kreative und Lebendige in ihm gestorben ist, dass er nur zu Geringem fähig ist, dass er das Allgemeine und Ewige nicht erreichen kann.

Es gibt den anderen Weltanschauungstyp: „Alles Bestehende ist unvernünftig„. Dann verfällt die dem vorherigen Typ fehlende Aktualität bei der grundlegenden Umgestaltung des Lebens in das andere Extrem. „So kann man nicht weiterleben„, ist der Lieblingsspruch von Bakunin, und der Bakunismus ist das klarste Beispiel für diese ultraaktive Weltanschauung.

Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!

Heer der Sklaven, wachet auf,

Alles zu werden, strömt zuhauf,

so singen die heutigen Aktivisten, die Anhänger der III. Internationale. Sie haben ihre Erfahrung gemacht. Vom alten Russland ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Lebensgrundlage ist eine neue geworden, warum aber ist dieses Leben in den Details dem alten so peinlich ähnlich? Warum ähnelt die Arbeitspflicht der Leibeigenschaft, ähneln die jetzigen Verwaltungsbosse den alten Stadthauptleuten, warum wird offen gesagt: „Betrügst du nicht, kommst du nicht weiter„, warum hat in einer Arbeiterrepublik buchstäblich niemand die Möglichkeit, von seiner eigenen Arbeit zu leben, sondern muss sich nach Nebeneinnahmen umsehen: dem Spekulieren, dem Bestechen und anderem, was gesetzlich verboten ist? Warum demütigen ihn diese Details des Lebens so, wenn die Grundlage selbst doch verändert ist? Auch unter den heutigen Kommunisten gibt es eine Art Reformisten und christliche Moralisten, die behaupten, im Allgemeinen sei alles gut, es stören nur „die kleinen Mängel des Mechanismus„, schuld sei nicht die Änderung der Grundlage, sondern seien eben diese Details: Hier haben wir es mit der ewigen Erscheinung des geistigen Philistertums zu tun.

Sicher geht es nur darum, dass es den Menschen auf der veränderten Lebensgrundlage an kreativer Fähigkeit mangelt, um auch alle Details entsprechend der neuen Grundlage zu erschaffen. Es fehlt an kreativer Energie, und unwillkürlich fallen die Kleinigkeiten ins Alte zurück und verwandeln das Leben zu einer schlechten Karikatur, zu neuem Wein in alten Schläuchen oder zu einer Leiche, die in eine Ballgarderobe gekleidet ist.

Vor diesem schrecklichen Anblick bekamen die aufrichtigsten Kommunisten einen Schreck. Nach dem aktiven Auftreten der deutschen kommunistischen Partei im März dieses Jahres, deren Kreativität sich in Hunderten von Toten, in Sprengungen, Straßenzerstörungen und anderem äußerte, rückte ihr ehemaliger Führer Levi von ihnen ab und gab laut zu bedenken:

„Genossen, was tut ihr? ... Ihr, die ihr von der Bestimmung und der Freiheit der Arbeiter redet — warum schickt ihr sie in den Tod, in Hunger und Unglück?„ So ruft auch jeder aufrichtige Anhänger der arbeitenden Massen. Clara Zetkin „selbst„ hat vorgeschlagen, die Parteitaktik zu ändern, die eher dem Bakunismus ähnelt als dem Kommunismus ...

Beide Lebensanschauungen, sowohl „Alles Bestehende ist vernünftig„ als auch die entgegengesetzte, enthalten einen Teil der Wahrheit. Die erste spricht von der Möglichkeit, das Ganze zu ändern, und von der Notwendigkeit, an den Details zu arbeiten. Das hat einen Sinn, denn der Mensch muss das Leben als Ganzes schaffen, sowohl im Großen als auch im Kleinen. Die Notwendigkeit aber, das große Ewige zu schaffen, was der ersten Weltanschauung unmöglich erscheint, wird von der anderen Richtung hervorgehoben. Der Mensch muss Großes schaffen, er spürt, dass er Gottes Sohn ist, dass er ein Teil Gottes ist, dass er den Willen seines Vaters erfüllen muss.

So fließen beide Richtungen in eins zusammen: „Alles Bestehende ist Schaffen„, das heißt, es erfordert Kreativität, Arbeit, und dass das Bestehende weder vernünftig ist noch unvernünftig. Solange es existiert, sozusagen statisch ist, so lange ist es unvernünftig und erfordert Kreativität: Über die Kreativität strebt es nach Vernünftigem, nach dessen Realisierung aber wird es sogleich wieder unvernünftig, das heißt, es fordert neuerliche Kreativität. Im Lebendigen gibt es weder Vernünftiges noch Unvernünftiges — das sind Kategorien des Anorganischen. Das Leben fließt und strömt ewig. Der ewige kreative Progress vom Unvernünftigen zum Vernünftigen, das niemals erreicht wird, — das ist das Wesen des fortschreitenden Lebens.

IV

Die historische Suche nach gewaltlosen Formen der sozialen Vereinigung.

— Die gegenwärtige Kooperation als Muster gewaltlosen Zusammenschlusses.

— Der urewige Weg

Mag die gegenwärtige politisch-gesellschaftliche Tätigkeit auch bankrott sein, mögen die meistverbreiteten Weltanschauungen die wichtigsten Lebensfragen auch nicht lösen können, so gibt es doch einen Ausweg, es gab ihn von alters her, urewig leuchtet das Frühlingslicht: Es ist in der steten, unablässigen und unermüdlichen Kreativität enthalten. Weder der Zwangsstaat noch die heutigen politischen Parteien, angefangen von den roten sozialistischen bis hin zu den schwarzen klerikalen, die von der Machtergreifung und von erbarmungsloser Diktatur träumen, werden einen kreativen Menschen erschaffen können. Ihre Zukunft ist der geistige Tod.

Es müssen neue soziale Vereinigungen geschaffen werden, in denen die Existenz der freien, unabhängigen Einzelperson Schritt für Schritt mit fruchtbarer sozialer Arbeit harmonieren kann, ohne vom gierigen Egoismus eines Einzelnen aufgehalten zu werden. Die unabhängige, kreative Einzelperson in einer kreativen Gemeinschaft, die nicht von individuellem Egoismus eingeschränkt wird, ist das Zukunftsideal. Teilweise ist es in der Vergangenheit verwirklicht worden, in geringem Maße ist es auch jetzt vorhanden.

Die allerfrühesten menschlichen Gemeinden wurden auf der Grundlage von Zwang aufgebaut. Sowohl der ursprüngliche Sippenkommunismus als auch die Familienkollektive, in welche die Sippenkommune zerfiel, waren auf der obligatorischen Zugehörigkeit eines jeden Mitglieds zu seiner Sippe oder zu seiner Familie aufgebaut. In den Beziehungen untereinander herrschten das alte Gewohnheitsrecht und der Wille des Ältesten als unbedingte Mächte. Für den suchenden Einzelnen war es schwer, sich mit solchen Verhältnissen abzufinden. Er gierte nach Freiheit, dort aber erwarteten ihn wilde Tiere, Hunger und Gefahren, in der Gemeinschaft — der Zwang, eine nicht seinen Wünschen entsprechende Arbeit, die Verhöhnung der Schwächeren durch die Stärkeren. Also vereinigen sich die Gemeinden der Unzufriedenen und entfernen sich aus der heimischen Verwurzelung. Die prähistorischen Zeiten und die Frühgeschichte der Slawen kennen zahllose derartige Gemeindebildungen, die nach einer neuen Lebensform suchen, nach neuem Los. Weißruthenische Gemeinschaften, nordslawische Watagen, montenegrinische Drushinen, tschechische Zadrugas ziehen bald in leichten Booten über Flüsse und Meere, bald auf dem Landweg in neue Gegenden, sie gehen Gewerben nach und schaffen sich ein Leben, das ihnen besser erscheint. Wenn einem der Gefährten etwas nicht gefällt, steht es ihm frei, die Gemeinschaft zu verlassen, fortzugehen; wenn alle unzufrieden sind, bricht die Gemeinschaft auseinander, und ihre Mitglieder gehen auf die Suche nach einem besseren Los. Auf Grund solcher Schritte erfolgt die slawische Kolonisation, bis die schwere Hand der Landesmacht den neuen Kolonien ihr Joch aufbürdet und sie mit staatlichem Zwang fesselt.

Bis in jüngere Zeit hatte sich eine derartige Gemeinschaft gehalten, die ukrainischen und weißruthenischen Bauern die Möglichkeit bot, eine andere Luft zu atmen. Das ist die Zaporosher Ssitsch. Ihr Hauptmerkmal war das Fehlen von Zwang gegen ihre Mitglieder: Es kam, wer wollte, und er ging fort, wann es ihm gefiel. Die Ssitsch hat mit der Waffe in der Hand das Recht des Menschen auf Freiheit und Unabhängigkeit verteidigt, niemals aber war sie ein Räubernest von Faulpelzen und Verbrechern, wie die Historiker der Schlachtschitzen sie darzustellen belieben. Die Zaporosher lebten von ihrer Arbeit, sie trieben Handel, fuhren als Salztransporteure zur Krim und befassten sich mit Fischfang und Jagd, einige bearbeiteten sogar den Boden, der zu ihren Gehöften gehörte. Doch der Drang nach einer freien, ungebundenen Existenz trieb sie immer wieder vom rechten und vom linken Ufer des Dnjepr nach der nicht immer satten und wohlgeordneten Ssitsch, um hier ihren individuellen Wünschen freien Lauf zu lassen, wenn sie auch recht einfach waren und sich mit Spiel, guter Kameradschaft und urtümlichem Sport zufriedengaben.

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Heutzutage ist die Existenz solcher ritterlicher Bruderschaften unmöglich (was bedauerlich ist!), denn die erzwungene Parteien- und Klassenstaatlichkeit muss allem ihren Stempel aufdrücken. Dennoch gibt es Erscheinungen, da sich freie Einzelpersonen zu zwanglosen Gemeinden in jenen Lebensbereichen vereinigen, wo sie nicht zu verbieten sind.

Die gegenwärtige Kooperative, die nur im wirtschaftlichen Bereich tätig ist, ist eines der Modelle für eine zwanglose Vereinigung. Einigen mag so eine Behauptung lächerlich erscheinen, wenn sie die gegenwärtige, insbesondere die ländliche Kooperative betrachten, die ganz mit Heringslake bekleckert ist und ihre Kräfte mehr unsauberer Spekulation zu widmen scheint als der Idee der Herausbildung einer freien Einzelperson in einer freien Gemeinschaft. In Wirklichkeit aber ist es so, dass die Kooperative die einzige gesellschaftliche Erscheinung ist, die ihre Mitglieder ohne Zwang vereinigt und auch für andere keinen Zwang deklariert.

Es muss angemerkt werden, dass die Kooperative trotz ihrer gewichtigen Lebensaufgaben und ihrer Bedeutung nichts besitzt, was einer politischen Plattform gliche. Die Kooperative hat kein bestimmtes Ideal, das zum Moloch der Kooperativbewegung werden könnte und nach Menschenopfern verlangte. Die Kooperativbewegung wird ausschließlich von lebenswichtigen Aufgaben geleitet, und die besitzt keinerlei vorgefasste Ideologie. Es gab Versuche in der Richtung, ein Kooperativideal zu schaffen, doch sie schlugen fehl. Vor den existierenden Idealen — den bürgerlichen wie sozialistischen — beugt die Kooperative in ihrer Gesamtheit nicht das Haupt. Wo sich die Bewegung der sozialistischen Kooperative dem marxistischen Ideal unterordnet, bildet sie nur eine Ausnahme, die die allgemeine Regel nur noch unterstreicht.

Die Kooperative sagt nicht: „Ich bin im Besitz der fertigen Wahrheit: Komm und nimm sie„, sie sagt nur: „Schaffe, schaffend zerstören wir„. Die Kooperative besitzt keine fertigen Schablonen, keine Stanzen für alle Fälle des Lebens; wenn solche Stanzen auftauchen, wirft das Leben sie ganz einfach, ohne Revolutionen, zum Fenster hinaus.

Was die Vereinigung von Personen betrifft, bleibt die Kooperative nicht bindend: Hast du den gleichen Weg, komm mit, wenn nicht — geh, wohin du willst. Das Leben ist so groß und obendrein zu unbegreiflich, als dass es für alle verbindliche, vorgestanzte Wege geben könnte.

Die Kooperative als solche besitzt keine fertigen Rezepte, um das Leben zu verbessern. Auch wenn sie große wirtschaftliche Aufgaben hat, weiß sie doch, dass einzelne Kooperative nicht den ganzen Handel und die ganze Produktion ersetzen können. Wenn es auch einige unverständige Theoretiker gibt (Charles Gide), die sagen, die Kooperative wird die gesamte Wirtschaft in ihre Hände nehmen, so erwidert ihm die reale Kooperative: „Dummer Junge, lassen sich dem Leben etwa fertige Wege vorschreiben?„

Doch sicher ist, dass die wahre Richtung des Lebens die ist, die die Kooperative eingeschlagen hat.

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Es ist klar, dass die ersehnte Zukunft in der Abschaffung von Zwang liegt, im Zusammenschluss der ganzen Gesellschaft zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse in solchen Gruppen, die den gegenwärtigen Kooperativen ähnlich sind. Jeder muss frei sein in seinen Wünschen. Es darf keine erzwungenen Opfer geben, keine Götter. Die Produktion, der Handel, die Bildung und die wirtschaftlichen Bedürfnisse werden von freien Verbraucher- und Produzentenvereinigungen befriedigt.

Das mag jetzt seltsam und unmöglich erscheinen, doch das Leben geht in diese Richtung. Wir sind durch Zwang zu sehr demoralisiert, als dass wir umgehend frei werden könnten, nicht einmal träumen können wir davon. Das stärkste Begehren des Menschen aber ist, frei zu sein und sein eigenes Leben zu gestalten.

Jene Hindernisse, die unüberwindlich erscheinen, fallen zugleich mit dem Zwang. Solche Vorurteile wie das Privateigentum, das in bürgerlichen und sozialistischen Lehren den Stein des Anstoßes bildet, lösen sich auf wie Nebel vor der Sonne, wenn der Zwang verschwindet, wenn die freie schöpferische Persönlichkeit die Herrschaft antritt. Mit Zwang kann das Privateigentum weder verteidigt, noch vernichtet werden. Ein gutes Beispiel ist wiederum Russland. Dort ist nicht nur das Eigentum von Immobilien abgeschafft worden, sondern beinahe die Immobilie selbst, dafür hat sich das Eigentum an beweglichen Sachen noch vermehrt. In keinem Land wird ein Menschenleben mit ein paar Pfund Getreide gleichgesetzt, in Russland aber ist das der Fall.

Der Zwang muss aus dem gesamten gesellschaftlichen Dasein verschwinden: aus der Politik, der Wirtschaft und der Moral, denn nur dann kann die Kreativität sowohl des Einzelnen als auch des sozialen Ganzen ihren Ausdruck finden. Darin liegt unsere Hoffnung, darin liegt ein Hinweis auf einen Lichtblick und die rechte Richtung im Leben.

Nicht alles lässt sich sofort erreichen. Die kreative Einzelperson lässt sich nicht auf einen Schlag heranbilden. Die Zukunft gehört der kreativen Persönlichkeit, aber noch lange Jahre „werden die Toten ihre Toten begraben„. Die Menschheit wird noch sowohl unmenschliche Unterdrückung als auch erbarmungslose Revolutionen und Aufstände erdulden müssen. Das, was jetzt existiert: Zwangswirtschaft, Regierungen, harte Gesetze, Gefängnisse, Strafen, ist das Resultat fehlender menschlicher, gesellschaftlicher Kreativität. Das alles wird nicht durch Zwang zugrunde gehen, es kann nicht mit Gewalt zerstört werden, sondern es wird durch fortgesetzte menschliche Kreativität verschwinden. Denn wenn die existierende Ordnung mit Gewalt zerstört wird, wird die Nicht-Kreativität der gegenwärtigen Menschenmasse morgen noch schlimmere Ketten, Gefängnisse und Qualen hervorbringen. Das ist die Erfahrung aller Revolutionen des Altertums und der Jetztzeit.

Die hier dargelegten Ansichten werden vielen als Anarchismus erscheinen. Auf dieses Etikett wie auf jede andere klassifizierende Form muss verzichtet werden, denn er besitzt bereits seinen verdrehten Lebensinhalt, und statt eines Beweises ist es besser, als Erklärung das folgende russische Spottlied anzuführen:

Unser Anarchist hat Tantchens

schönen Pelz stibitzt.

Ach, hat etwa Herr Kropotkin

ihn dazu angespitzt?

Diese Skizze bezweckte nicht, irgendwelche Gruppenansichten darzulegen, sondern jenes Wesentliche des Lebens zu erklären, was es seit Anbeginn der Menschheit gegeben und was Versuche gemacht hat, sich nach verschiedenen Richtungen hin zu verwirklichen: in der hellenischen Kultur, im Christentum, im Humanismus, in demokratischen und sozialistischen Bewegungen, unter anderem auch im Anarchismus, bis ihre erstarrte Form alle diese Bewegungen abgetötet hatte. Der menschlichen Kreativität erwuchs auf ihrem Weg immer ein Hindernis in Gestalt der nach Macht gierenden Form. Und die Form ergriff Besitz vom Leben, diktierte ihm ihre Bedingungen. Die menschliche Seele aber versuchte, sich aus ihren Ketten loszureißen, sie wollte das Leben so ordnen, wie es ihr das eigene Gewissen riet, sie wollte ihre eigenen Bestrebungen verfolgen, sie spürte, dass es unnötig sei, „ein schweres und unerträgliches Joch zu schmieden und es den Menschen aufzubürden„. Und sie suchte ihre Rettung, indem sie vor dem gewalttätigen Leben floh.

Und wie eine Erlösung klangen schon in der Morgendämmerung der Menschheit die bezaubernden, ewig schönen, ewig lebendigen Worte des Gottes der Erneuerung, des Gottes der Auferstehung:

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: Ich will euch Ruhe schaffen! Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig: So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.„

So hat bereits in der Tiefe der Jahrhunderte das Streben der morgenfrischen menschlichen Seele ihren Ausdruck gefunden, auf eigenem Wege zur göttlichen Schöpfung zu finden und die Ketten ihres Kummers und ihrer Leiden abzuschütteln. Und jetzt sagen die zur Kreativität erweckten Volksmassen, die das Vorhandensein der schöpferischen Weltseele spüren, mit Gewissheit: „Schaffend — zerstören wir„.

Wilna, 12. Mai 1921

Aus dem Weißruthenischen ins Deutsche übersetzt von

Valentin Tschapeha und Norbert Randow

РЕЗЮМЭ

„Адвечным шляхам” − маральна-філасофскае эсэ, галоўны твор Ігната Канчэўскага-Абдзіраловіча − быў выдадзены ўпершыню ў Вільні ў 1921 годзе і праляжаў потым болей шасцідзесяці гадоў у сховах спецфондаў. Апублікаваны зноў толькі ў 1988 годзе ў перакладзе на рускую мову ў мінскім часопісе „Неман”. У эсэ аўтар прасочвае драматычнае развіццё нялёгкага лёсу беларусаў на працягу іхняй тысячагадовай гісторыі і прапаноўвае свае шляхі вырашэння праблемы беларускай ідэнтычнасці. Вялікія змены ў філасофіі і палітыцы, што мелі месца на пачатку дваццатага стагоддзя ў свеце, так званая „пераацэнка каштоўнасцяў”, не маглі не зрабіць уплыву на Канчэўскага. У чатырох раздзелах эсэ (чытачам у гэтым нумары прапаноўваецца пераклад на нямецкую мову першых двух раздзелаў) знаходзяць адлюстраванне ідэі аўтара пра пераацэнку старых ідэалаў і стварэнне ўласных форм жыцця. Беларусь, на яго думку, была заўсёды граніцай паміж Усходам і Захадам, што растлумачвае пастаяннае ваганне беларусаў паміж гэтымі дзвюма сістэмамі і пэўную размытасць беларускай ідэнтычнасці. Гісторыя Еўропы і Беларусі ёсць таксама і гісторыя пэўных форм жыцця і іх заняпаду. Канчэўскі прапаноўвае сваю ідэю „ліючайся” формы. Для развіцця грамадства патрэбна творчасць людзей, а сучасныя палітычныя рухі не адпавядаюць патрэбам сацыяльнай творчасці мас. Для здзяйснення ідэалу сацыяльнай творчасці, для вырашэння праблемы беларускай ідэнтычнасці трэба шукаць непрымусовыя, беларускія формы жыцця і пазбаўляцца чужых форм − як усходніх, так і заходніх.

Варта адзначыць, што праблема беларускай ідэнтычнасці паміж Усходам і Захадам выклікала адразу пасля з’яўлення эсэ і выклікае цяпер шматлікія дыскусіі філосафаў і культуралогаў.

Ihnat Abdsiralowitsch − Pseudonym (nach dem Haupthelden in Maxim Harezkis Roman „Zwei Seelen„) Ihnat Kantscheŭskis, geboren im Mai 1896 in Wilna. Weißrussischer Philosoph und Schriftsteller. Studium in Petersburg und Moskau. Im Ersten Weltkrieg Fähnrich an der Rumänischen Front. Während der revolutionären Ereignisse 1917 über die Ukraine, Smolensk und Minsk zurück nach Wilna. Umfangreiche publizistische und schriftstellerische Tätigkeit an diversen weißrussischen Zeitungen und Zeitschriften. Schrieb auch Poesie. Starb, an Lungentuberkulose erkrankt, am 23. April 1923 in Wilna.

Norbert Randow, geb. 27. XI. 1929 in Neustrelitz. Dort Besuch des Gymnasiums Carolinum (altsprachlicher Zweig), 1949 Abitur. Studium der Slawistik in Rostock und Berlin. Diplom 1953. Arbeit am Slawischen Institut der Humboldt-Universität in Berlin. Mehrfache längere Studienaufenthalte in Sofia. 1963-1965 aus politischen Gründen inhaftiert. Danach bis 1991 freischaffender Übersetzer und Herausgeber bulgarischer, weißruthenischer, russischer und altslawischer literarischer Werke. Von 1992 bis 1995 Professor für Bulgaristik und Weißrussistik an der Humboldt-Universität in Berlin. Lebt in Berlin.3. Кароткая біяграфія Норберта Рандава:

Valentin Tschapeha, geb. 12. VII. 1977 in Neustrelitz. Wohnte mit seinen Eltern 1977-1988 in Minsk, wo er auch die Grundschule besuchte. Wuchs dreisprachig auf (deutsch, russisch, weißruthenisch). 1988 Übersiedlung nach Neustrelitz. Dort 1996 Abitur am Schliemann-Gymnasium. Danach zwei Jahre Studium der Geschichte an der Freien Universität, Berlin. 2003-2006 Ausbildung zum Offsetdrucker. Veröffentlichungen zur Frühgeschichte der Slawen in Deutschland. Übersetzer- und Dolmetschertätigkeit. Lebt in Berlin und Grauenhagen.